In Form von Berichten von ehrenamtlich Tätigen wie auch von Betroffenen bieten diese Seiten die Möglichkeit, neben den sonst verfügbaren Informationen tiefere Einblicke zu erhalten. So werden hier im Lauf der Zeit Texte zugänglich, die beschreiben, was Menschen bewegt, ein Ehrenamt auszuüben und wie sie Begleitung erleben. Es wird sichtbarer, was es für die Betroffenen bedeutet und was Ihnen in der schweren Zeit geholfen hat.

Alles ist möglich und erlaubt

Ich gehe aus dem Haus und mache meine gedankliche Tür hinter mir zu. Auf dem Weg zur sterbenden Frau, die ich begleite, gehen mir Gedanken durch den Kopf: Wie werde ich sie heute antreffen? Schläft sie, wird sie sprechen können? Kann sie heute auf sein? Wie wird ihr Gesamtzustand sein?

Acht Besuche

Zehn Uhr – Termin bei Schwester D. in einem Altenheim im Landkreis. Ich bin sehr freundlich empfangen worden und werde im Bezug auf die Begleitung, die ich übernehmen soll und darf, gefragt zu meinen Vorstellungen und Erwartungen, die ich so konkret gar nicht hatte. Völlig offen auf jemanden zugehen – egal, wie alt, krank oder behindert derjenige ist – ist meine Grundhaltung.

Wenig Gutes... viel Schlimmes

Es ist der vierte Besuch bei Frau Sch. Sie hatte vor fünf Jahren einen Schlaganfall. Sie kann sich nicht mehr selber versorgen und ist ungern allein. Bei den ersten Besuchen habe ich sie als eine sehr mitteilsame Dame erlebt. Sie hat mir dabei viel von ihren Schicksalen berichtet. Von ihren Verwandten ist nur noch ihr ältester Sohn am Leben, der aber weit weg wohnt und nur ab und zu mal anruft (Weihnachten, Geburtstag). Sie kann sehr gut hören, aber sehr schlecht sehen und ist eingeschränkt in ihrer Wahrnehmung. Sie ist ansonsten meistens sehr wach und hat einen ausgeprägten Sinn für Humor. Sie lacht sehr gerne. Auch über sich selber macht sie Witze, eine Art Galgenhumor. Ich helfe ihr beim Gehen, indem ich sie stütze. Bei dem schönen Wetter möchte sie im Garten sitzen. Ich helfe ihr, sich hinzusetzen. Sie ist heute sehr abwesend.

Glauben Sie an Wunder?

Frau A. sitzt in ihrem Lehnsessel. Ich begrüße sie und entschuldige mich, dass ich diese Woche nicht wie gewohnt mittwochs, sondern erst heute, Donnerstag komme. Sie blickt mich etwas missbilligend an. Sie habe gestern so schön den Kaffeetisch decken lassen und dann auf mich gewartet. Ich erkläre ihr, dass ich doch deswegen angerufen habe. Die Nachricht scheint nicht angekommen zu sein. „Es macht mich verrückt“, sagt sie, „wenn das Telefon klingelt, kann ich gar nicht so schnell aufstehen. Sehen Sie nur!“ Sie versucht, mühsam aufzustehen. Es klappt beim vierten Versuch. Ich helfe ihr dabei, soweit sie das will. Ob wir die Kaffeestunde von gestern nachholen wollen, frage ich sie. Sie will nicht. „Ich bin noch voll vom Mittagessen. Ich habe keine Kraft. Es wird von Tag zu Tag weniger. Am liebsten würde ich sterben. Und überhaupt. Ich vergesse auch so viel. Das Wort liegt mir oft auf der Zunge und ich weiß es nicht. Das macht mich verrückt.“