Besser verstehen

Mein erster Kontakt zur Begleitung eines Sterbenden war im Sommer 2005, als ein guter Freund von mir im Alter von 40 Jahren an Krebs erkrankte und bereits nach wenigen Wochen in einem stationären Hospiz verstarb. Ihm in seinen letzten Wochen nahe zu sein und ihn im Hospiz als enger Freund begleiten zu dürfen, hat mich tief bewegt und meinen Bezug zu Abschied, Sterben und Tod verändert. Seiner Frau und seinen Kindern in der Zeit des Abschieds und in der Zeit danach eine Stütze zu sein, hat ebenso Spuren in mir hinterlassen. Selbst einen lieben Menschen zu verlieren war ein schmerzlicher Prozess. Die Familie in dieser Zeit zu begleiten mit allen Gefühlslagen war eine Herausforderung.

 

Drei Jahre später habe ich durch eine Arbeitskollegin und gute Bekannte meiner Frau die Verbindung zum Hospizverein Germering gefunden und mich für die Teilnahme am Vorbereitungskurs zum Hospizbegleiter entschieden. Die Informationen im Kurs haben dazu beigetragen, viele Dinge, die das Lebensende betreffen, anders zu betrachten und besser zu verstehen sowie einen für Betroffenen hilfreichen Umgang mit gewissen Situationen zu finden. Angefangen vom Erlernen und Einüben von Gesprächstechniken (sei es bei Sterbenden oder Demenzerkrankten) über Grundhaltungen in der Begleitung, spirituelle und ethische Fragen, pflegerische Handreichungen und Vieles andere mehr wurde eine thematische Fülle erarbeitet, die es erleichtert, Sterbenden und ihren Angehörigen ein guter Wegbegleiter zu sein. Die dabei unausweichliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod und der eigenen Sterblichkeit sowie das Sich-Öffnen in der Kursgruppe war eine Sache, die nicht einfach war. Die Frage, ob Hospizbegleitung die richtige ehrenamtliche Tätigkeit für mich ist, war anfangs natürlich da. Mittlerweile ist das Team zu einem vertrauensvollen Fundament zusammengewachsen, das Halt, Geborgenheit und Sicherheit gibt, um die Herausforderungen der Sterbebegleitung zu bestehen.

P.A.

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