Basierend auf der Grundhaltung, dass soziales Engagement in jeder Gesellschaft unverzichtbar ist, gibt es in Germering seit Jahren ein vielfältiges Angebot an Unterstützungsmöglichkeiten für vielfältige soziale Problemlagen. Bis zum Jahr 2000 fehlte aber in der Fülle der Angebote ein ganz Wesentliches: das Engagement für die Bedürfnisse Schwerkranker, Sterbender und deren Angehörigen, insbesondere derer, die die letzte Wegstrecke des Lebens zu Hause in Germering gehen wollen. Dies ist um so wichtiger, als es sich hier um Menschen handelt, die mit ihrer individuellen Situation und ihrem persönlichen Schmerz öffentlich wenig sichtbar sind. Dort, wo sie mit ihrer Geschichte wahrgenommen werden, entsteht mitunter Hilflosigkeit im Umgang. So gab es 1999 einen Zusammenschluss mehrerer Germeringer Einrichtungen, die mit den sozialen Nöten der Menschen vertraut waren und eine Hospizinitiative gegründet haben. Mit viel Einsatz wurden ein Konzept für die ambulante Arbeit und eine Satzung auf den Weg gebracht und ein Kursplan für die erste Gruppe von Hospizbegleitern erstellt. Auf Basis dieser umfangreichen Vorarbeiten konnte im Januar 2000 der Hospizverein Germering e.V. gegründet werden.

Der Verein ist dem Gedanken verbunden, mit dem Lebensende konfrontierte Menschen in ihrer Auseinandersetzung mit Krankheit, Alter und Sterben zu unterstützen und bei ihren je individuellen Bedürfnissen und Besonderheiten entlastend zur Seite zu stehen. Aber auch in der Öffentlichkeit dem Tabu entgegenzuwirken, Barrieren abzubauen und ein kompetenter Partner anderer Versorgungseinheiten zu sein sind Aufgaben des Vereins. Weil der letzte Lebensabschnitt im Falle von schwerer Krankheit nur dann zu Hause erlebbar ist, wenn alle wichtigen Versorgungspartner wie Ärzte, Pflegedienste, Seelsorger u.v.m. ihren Beitrag leisten, ist Hospizarbeit im Wesentlichen auch Netzwerkarbeit. Ein multidisziplinäres Netz zu schaffen, das Patienten und Angehörige in ihrer Not trägt, ist Ziel in der Koordination. Dazu ist es wichtig, dass der Verein als juristisch eigenständige und unabhängige Einheit organisiert ist.

Als Mitglied im Bayerischen Hospiz- und Palliativverband e.V. sehen wir uns den Grundsätzen auf Landes- und Bundesebene in Bezug auf Qualifizierung in Ehrenamt und Hauptamt, Netzwerkarbeit und Öffentlichkeitsarbeit, aber auch dem multidisziplinären Ansatz verpflichtet und fördern den Verbleib des Patienten in der vertrauten Umgebung, wo dies für Betroffene Priorität hat. Wir erfüllen die Rahmenbedingungen nach §39a SGB V und arbeiten nach den Voraussetzungen des Gesetzgebers wie auch der Krankenkassen.

Hospizarbeit hat mit der Gründung des St. Christophers’s Hospice in London durch Cicely Saunders 1967 begonnen. Etwas später hat sie in Deutschland eine hohe Aufmerksamkeit erfahren, weil engagierte Bürgerinnen und Bürger damit angefangen haben, die Nöte Sterbender zu thematisieren und an deren Situation etwas zu verändern. Weil Begleitung im Sterben kein alleiniger Auftrag von Institutionen ist, sondern zutiefst ein Teil gesellschaftlichen Lebens, soll diese ein Engagement der Bürger, auch in Germering, bleiben. Das bürgerschaftliche Engagement bildet sich deshalb ab in der ehrenamtlichen Tätigkeit der Sterbebegleiter/innen, der ehrenamtlichen Mitwirkung bei anderen Aufgaben wie z. B. als Vorstandsmitglied, aber auch in der Finanzierung der Hospizarbeit durch Spender und Fördermitglieder.

Das Wissen um die eigene Geschichte ist ein solider Grundstein, um die Gegenwart meistern und eine bessere Zukunft aufbauen zu können.
Mathias J. Wiedemann